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Book Review - Head First Java

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Book Review - Head First Java

Java für Anfänger - einmal ganz als sonst
Buchbesprechung
 

Juli 2003
Klaus Kreft & Angelika Langer

 
Kathy Sierra & Bert Bates
"Head First Java"
O'Reilly, May 2003

"Head First Java" ist das erste Buch einer neuen Serie des US-Verlags O'Reilly und versucht, dem Leser einen an sich trockenen Stoff (die Programmiersprache Java) in völlig neuer Art und Weise (nach neuesten Kenntnissen der Lernpsychologie) zu präsentieren.

Der Verlag O'Reilly ist vielen Programmierer wegen seiner guten Fachbücher bekannt ist. Besonders beliebt sind die "Animal Books", in denen ausführlich und äußerst kompetent relevante Technologien der IT-Branche beschrieben werden. Aber auch die "... in a Nutshell"-Bücher, bei denen es sich um nützliche Nachschlagewerke handelt, sind allgemein bekannt und geschätzt.  Mit "Head First Java" startet O'Reilly eine neue Reihe mit Büchern zum Selbststudium, in denen versucht wird, den Inhalt so aufzubereiten, dass er leicht erlernt werden kann.  Dabei fließen Erkenntnisse über die Arbeitsweise des menschlichen Gehirns ein, wie sie in der kognitiven Psychologie bereits seit langem bekannt sind.  Das Buch sieht daher ganz anders aus, als man sich eine Einführung in Java vorstellt.

Normalerweise beschränken sich Fachbücher auf die Darstellung der Information in Textform mit ein paar eingestreuten Grafiken und Tabellen.  Das ist eher trocken und langweilig.  "Head First Java" dagegen sieht aus wie ein Bilderbuch und wirkt wie die Kladde eines Schülers, der den Lehrstoff mit reingekritzelten Randbemerkungen verziert hat.  Auf den ersten Blick sieht das Buch völlig unseriös aus, weil es so gar nicht den Erwartungen von einem Fachbuch entspricht.

Wenn man sich den Inhalt ansieht, stellt man fest, dass es sich um eine Einführung in Java handelt, die durchaus alle relevanten Java-Themen abdeckt, die man auch sonst in vergleichbaren Java-Einführungen findet.  Die Behandlung der Themen geht nicht sehr tief und kratzt bisweilen lediglich an der Oberfläche.  Aber mehr kann man einem Buch, das sich an Anfänger wendet, auch nicht erwarten. Dafür verwendet es viele Analogien, um dem Anfänger die technischen Inhalte zugänglich zu machen. Vom Inhalt her ist das Buch völlig in Ordnung. Was allerdings irritiert, ist die Form.  Die aber ist so gewollt.

Erklärungen in Textform beschränken sich auf höchstens einen oder zwei Paragraphen.  Längere Textpassagen gibt es  überhaupt nicht.  Dafür findet man unzählige Bildchen verziert mit "handschriftlichen" Bemerkungen.  Sourcecode taucht ebenfalls nur in Häppchen auf, ebenfalls verziert mit Kommentaren.  Dazwischen immer wieder Übungen (teilweise als Kreuzworträtsel)  Dazu Frage-und-Antwort-Blöcke, die wesentliche und wichtige Information vermitteln und auf keinen Fall übersprungen werden sollten. Aber leider lädt das Buch sehr zum Springen ein.  Schon rein visuell weiß man nicht, wo man zuerst hinsehen soll.

Sicher, das Hirn arbeitet nicht linear; Mindmaps sind sehr hilfreich; ein Bild sagt mehr als tausend Worte; Abwechlsung ist wichtig und die Annäherung an ein Thema aus verschiedenen Perspektiven hilft enorm beim Lernen.  Aber sollte man sich nicht vielleicht die Bildchen und Kommentar lieber selbst erstellen?  Wenn das Ergebnis einer Auseinandersetzung mit einem herkömmlichen Java-Lehrbuch so aussieht wie dieses Buch, dann hat sich der Lernende sicher eifrig mit dem Lehrstoff auseinander gesetzt und eine Menge Fakten gelernt und in sein Langzeitgedächtnis befördert. Aber, ist es wirklich hilfreich, das Ergebnis eines Verarbeitungsprozesses fertig präsentiert zu bekommen statt sich selber um die Verarbeitung zu bemühen?  Wäre es nicht sinnvoller, die dem Buch zugrunde liegende Lerntechnik zu erlernen und eine Kladde im Stile von "Head First Java" selber zu erstellen?

Vermutlich ist es größtenteils Geschmacksache, wie man den Stil von "Head First Java" empfindet.  Für den an akademische Texte gewöhnten Diplom-Informatiker ist das Buch vermutlich eher befremdlich und irritierend.  Als Demonstration einer Lerntechnik ist es sicher hochinteressant.  Und dem einen oder anderen Leser, der vielleicht schon immer mit diesen langweiligen Fachbüchern gekämpft hat, kommt es in seinem Lernverhalten vielleicht sehr entgegen. Wie auch immer man das beurteilen wird, "Head First Java" ist eine Einführung in Java mit ungewöhnlichen Mitteln.  Und leider derzeit nur in Englisch erhältlich.
 


 
© Copyright 1995-2003 by Angelika Langer.  All Rights Reserved.    URL: < http://www.AngelikaLanger.com/Articles/Reviews/HeadFirstJava/HeadFirstJava.html  last update: 29 Oct 2003